Messeordnung

Allgemeine Bestimmungen

1.) Rechtliche Bestimmungen

• Grundsätzlich sind die Bestimmungen des Tierschutzrechtes und des Tierseuchenrechtes für alle Anbieter zu beachten. Den Anweisungen des Amtstierarztes und des Ordnungspersonals ist unbedingt Folge zu leisten. Festgestellte Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen können mit Geldbußen bis zu 25.000 € geahndet werden. Strafverschärfend wirkt sich hierbei vorsätzliches Handeln aus, da jeder Anbieter den Inhalt des Tierschutzgesetzes bzw. die spezifischen Anforderungen der von ihm präsentierten Tiere kennen muss.

• Wer mit Wirbeltieren (z.B. Fischen, Reptilien) gewerbsmäßig handelt bzw. diese zur Schau stellt, bedarf einer Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz durch die für den Wohnort / Geschäftssitz zuständige Veterinärbehörde. Diese ist mitzuführen und auf Verlangen vorzulegen.

• Wirbeltiere dürfen nicht ohne Einwilligung der Eltern an Kinder oder Jugendliche bis zum vollendeten 16. Lebensjahr abgegeben werden.

• Folgende Rechtsvorgaben sind zu beachten:

a) Tierschutzgesetz vom 18.05.2006 i.d. derzeit gültigen Fassung

b) Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) vom 22. Mai 2013 i.d. derzeit gültigen Fassung

c) Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser) des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 30.12.1998

d) Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 10.01.1997

e) Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 01.06.2006

f) Bundesnaturschutzgesetz-BNatSchG vom 29.07.2009 i.d. derzeit gültigen Fassung

2.) Artenschutzrechtliche Bestimmungen

• Die artenschutzrechtlichen Bestimmungen sind einzuhalten. Artgeschützte Wirbeltiere unterliegen der An- und Abmeldepflicht. Alle artgeschützten Tiere unterliegen zudem der Nachweispflicht. Die Nachweispflicht hinsichtlich der Besitzberechtigungen obliegen dem Besitzer bzw. der Person, die die tatsächliche Gewalt über das Exemplar ausübt. Der Halter besonders geschützter Tiere muss der Behörde nachweisen können, dass er das Exemplar legal im Sinne der artenschutzrechtlichen Vorschriften besitzt. Andernfalls kann die für die Artenschutzbelange zuständige Behörde Beschlagnahmungen und Tiereinziehungen (mündlich oder schriftlich) anordnen. Festgestellte Verstöße gegen artenschutzrechtliche Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes oder der EG-Artenschutzverordnungen können mit Bußgeldern in Höhe bis zu 50.000 € geahndet werden.

• Tiere, die zu einer besonders geschützten Art zählen, sind dem Veranstalter bei ihrer Ankunft unter Vorlage der Herkunftsnachweise (Originale) zu melden. Die Ausstellung und die Vermarktung von vom Aussterben bedrohten Exemplaren (Anhang A Verordnung EG Nr. 338/97) ist nur mit gültiger EG-Verkaufsbescheinigung zulässig. Diese Tiere sind gesondert anzumelden.

• Wildfänge dürfen nur unter Einhaltung der entsprechenden artenschutzrechtlichen Vorschriften und bei Vorliegen einer Importgenehmigung angeboten werden.

3.) Besondere Bestimmungen für die Anbieter


• Bei der Abgabe eines Wirbeltieres durch gewerbsmäßige Händler müssen an den künftigen Tierhalter schriftliche Informationen über die angemessene Ernährung und Pflege sowie verhaltensgerechte Unterbringung und artgemäße Bewegung übergeben werden.

• Es dürfen nur angemeldete Tiere angeboten werden.

• Jeder Stand ist mit einem Schild zu versehen, auf dem Name und Adresse des Anbieters aufgeführt sind.

• Jedes Behältnis ist mit Schildern zu versehen, auf denen
der deutsche und der wissenschaftliche Artenname, die Herkunft, das Geschlecht, ggf. der Artenschutzstatus sowie, bei besonderen Haltungsansprüchen, Hinweise z.B. auf die erreichbare Größe des ausgewachsenen Tieres, den Platzbedarf, besondere Ernährungsansprüche sowie ggf. die Giftigkeit genannt sind.
Außerdem sind die Käufer bei der Abgabe der Tiere nochmals gesondert über deren Pflege und Fütterung aufzuklären.

• Es ist eine ständige Beaufsichtigung der Tiere durch den Anbieter oder von ihm beauftragte Personen erforderlich.

• Eine Beunruhigung der Tiere beispielsweise durch Herumreichen, Beklopfen oder Schütteln der Behältnisse muss unterbleiben. Das Herausnehmen von Tieren aus den Behältnissen darf nur durch den Anbieter bei Vorliegen eines triftigen Grundes, z.B. einer ernsten Kaufabsicht, erfolgen. Nicht statthaft sind: das Herausnehmen zu Werbezwecken oder zur Geschlechtsbestimmung sowie ein Herumreichen der Tiere unter den Besuchern.

• Die Behältnisse sind vom Anbieter gegen unbefugtes oder unbeaufsichtigtes Öffnen zu sichern.

• Die Behältnisse müssen sich mindestens in Tischhöhe (80 cm) befinden.

• Es muss (durch bauliche Maßnahmen oder die Anwesenheit des Ausstellers) verhindert werden, dass die Besucher die Tiere z.B. durch Klopfen an den Scheiben beunruhigen.

• Kranke, seuchenverdächtige, alte und verletzte Tiere dürfen grundsätzlich nicht mitgeführt, angeboten und verkauft werden. Bei Verletzungen auf dem Transport oder während der Veranstaltung ist unverzüglich eine Notbehandlung durchzuführen bzw. durch einen Tierarzt durchführen zu lassen. Diese Tiere sind abzusondern; erforderlichenfalls ist das verletzte Tier schmerzlos zu töten und baldmöglichst zu entfernen.

• Die in den Anhängen aufgelisteten speziellen Anforderungen sind einzuhalten

4.) Transport der Tiere

• Der Transport hat möglichst schonend in stabilen, rutsch- und kippsicheren Behältnissen zu erfolgen. Erforderlichenfalls sind Maßnahmen zur Thermoregulation (z.B. Verwendung von Styroporkisten) durchzuführen.

• Während des Transportes ist für ausreichende Frischluftversorgung und ausreichend Platz für die Tiere zu sorgen.

• Die Aufbewahrung von Tieren in abgestellten Fahrzeugen ist verboten.

• Direkt nach der Ankunft auf dem Veranstaltungsgelände sind die Tiere aus den Transportbehältnissen in die endgültigen Ausstellungsbehältnisse umzusetzen.

5.) Tierarzt

Ein mit der Behandlung der jeweiligen Tierarten vertrauter Tierarzt muss im Notfall jederzeit (telefonisch) erreichbar sein.

6.) Besucher

• Im Aufenthaltsbereich der Tiere ist das Rauchen verboten.

• Besucher dürfen keine Tiere, insbesondere Hunde, mitführen, die auf der Tierbörse weder angeboten werden sollen noch erworben wurden.

• Die Käufer haben das Börsengelände mit den gekauften Tieren unverzüglich nach dem Erwerb zu verlassen oder die Tiere bis zum Verlassen der Börse im Verkaufsbehältnis am Verkaufsstand zu belassen oder in besonders ausgewiesenen Räumen unterzubringen.

7.) Angebotsspektrum


• Das Ausstellen von Gifttieren, die für den Menschen gefährlich sind, soll unterbleiben; ggf. sind solche Tiere in einem gesonderten Raum, einzeln und in verschlossenen Behältern anzubieten.



-Anhang I-
(Spezielle tierseuchenrechtliche Anforderungen)


Die nachfolgenden Bedingungen sind nicht abschließend und können, je nach Tierseuchenlage, bis zum Beginn der Messe jederzeit ergänzt werden.

1. Während ihres Aufenthalts auf dem Veranstaltungsgelände, werden die vorhandenen Tiere durch einen Amtstierarzt stichprobenartig auf ihren Gesundheitszustand kontrolliert.

2. Alle bei den Veranstaltungstieren auftretenden seuchenverdächtigen Erscheinungen sind dem Amtstierarzt anzuzeigen.

Zuständige Behörde ist das:

Landratsamt Böblingen
Veterinärdienst und
Lebensmittelüberwachung Böblingen
Parkstraße 16
71034 Böblingen
Tel. Nr.: 07031 663-1468, Fax.: 07031 663-1737
Email: veterinaer-lebensmittel@lrabb.de


3. Zum An- und Abtransport dürfen nur vorher gereinigte und desinfizierte Fahrzeuge und Behältnisse verwendet werden. Diese sind nach dem Gebrauch erneut zu desinfizieren.

4. Je nach Gefährdungslage sind jederzeit Veränderungen der tierseuchenrechtlichen Vorgaben möglich


Anhang II
(Spezielle tierschutzrechtliche Anforderungen)


a) Fische

1. Der Veranstalter stellt sicher, dass sämtliche für die Durchführung der Messe nötigen Versorgungsanschlüsse bzw. – leitungen (Strom, Kalt- und Warmwasser) in ausreichender Anzahl und an den entsprechenden Lokalitäten zur Verfügung stehen.

2. Es müssen ausreichend Handwaschgelegenheiten (Kalt- und Warmwasser, Seifenspender, hygienische Möglichkeiten zum Trocknen der Hände wie z.B. Handtuchspender) vorhanden sein.

3. Der Veranstalter muss entweder vorbereitetes Wasser zur Verfügung stellen oder die Teilnehmer darauf hinweisen, dass genügend Wasser mitgebracht werden muss, da frisch aus der Leitung gelassenes Wasser den Fischen wegen des Chlorgehaltes zumeist nicht zuträglich ist.

4. Beim Umsetzen der Fische aus den Transportbehältnissen, hat die Angleichung der Wassertemperatur und Wasserparameter schrittweise zu erfolgen.

5. Durch geeignete technische Maßnahmen muss sichergestellt werden, dass Wassertemperatur (Heizstäbe) und Wasserparameter (Filter) den angebotenen Fischen zuträglich sind. In jedem Aquarium muss ein Thermometer vorhanden sein, bzw. im Börsenbereich eines pro Stand. Ein ausreichender Sauerstoffgehalt ist gegebenenfalls durch Belüftung sicherzustellen.

6. Die Aquarien sind in Abhängigkeit von Größe, Art und Anzahl der darin präsentierten Fische ausreichend groß zu bemessen, so dass hinsichtlich des Schwimmraumes sowie der Wasserparameter bis zum Ende der Veranstaltung tierschutzgerechte Gegebenheiten gewährleistet sind;
als Richtwert gilt ein Mindestwasservolumen von 54 Litern je Behältnis.
Bei Labyrinthfischen, die an geringste Wasservolumina gewöhnt sind, wie z.B. einzeln gehaltene Siamesische Kampffische, können Behälter ab einem Liter Wasservolumen verwendet werden, wenn die Einhaltung artgerechter Wasserparameter gewährleistet ist.

7. Am Beginn, und regelmäßig während des Verlaufes eines jeden Messetages, sind die Fische auf ihren Gesundheitszustand zu kontrollieren. Tote Fische sind zu entfernen, kranke Tiere gegebenenfalls abzusondern, vom Verkauf auszuschließen und zu behandeln.

8. Die Behältnisse müssen eine ausreichende Strukturierung und, wo die Bedürfnisse der Tiere es erfordern, Rückzugsmöglichkeiten (Steine/Wurzeln) aufweisen. Ein Glasboden muss durch Bodengrund oder Anstrich undurchsichtig und Spiegelfrei gestaltet sein.

9. Die Verkaufsbehältnisse dürfen nur von einer Seite oder von oben einsehbar sein. Ein Glasboden muss durch Bodengrund oder Anstrich undurchsichtig und spiegelfrei gestaltet sein.

10. Bei Vergesellschaftung verschiedener Arten ist darauf zu achten, dass keine Tiere mit sich ausschließenden Bedürfnis- und Verhaltensmustern zusammengebracht werden. Die Temperatur- und pH – Optima haben einander zu entsprechen. Flossenbeißer müssen von schleierschwänzigen und fadentragenden Fischen getrennt werden. Pro Becken sollten maximal 2 verschiedene Arten angeboten werden. Kampffischmännchen dürfen nur einzeln ohne Sichtkontakt zueinander präsentiert werden.

11. Die Abgabe und der Transport der Fische darf nur in geeigneten Fischtransportbeuteln mit Schichtschutz und, wo erforderlich, Wärmeschutz erfolgen (die Umhüllung mit Zeitungspapier erfüllt beispielsweise die Voraussetzung). Eine ausreichende Sauerstoffversorgung ist sicherzustellen.

12. Unverträgliche Fische sowie Fische erheblich unterschiedlicher Größe, müssen getrennt voneinander transportiert werden. Bei Fischen mit Stacheln ist sicherzustellen, dass die Transportbehältnisse nicht beschädigt werden und das Wasser nicht auslaufen kann.

13. Sollten Fische in Beuteln angeboten werden, so ist in diesen für ein ausreichendes Wasservolumen und Sauerstoffreservoir zu sorgen. Diese Art der Präsentation darf pro Beutel den Zeitraum von 2 Stunden nicht übersteigen. Die Beutel müssen derart abgelegt werden, dass sie bei der Begutachtung durch die Kunden nicht extra in die Hand genommen werden müssen.


b) Reptilien und Amphibien

1. Für den An- und Abtransport sind isolierte Behälter z.B. Kühlboxen, Styroporboxen o.ä. zu verwenden. Falls erforderlich, sind diese Behältnisse durch Wärmeakkus oder –flaschen zu temperieren.

2. Die Behältnisse, in denen die Tiere untergebracht sind, müssen folgenden Mindestanforderungen entsprechen:

• ausreichende Lüftung

• geeignetes Bodensubstrat für die Aufnahme von Ausscheidungen

• die Größe des Behälters muss dem Tier ein problemloses Wenden ermöglichen. Als Faustregel bei Echsen gilt: mindestens 1,5-fache Kopf-Rumpf-Länge; bei Schlangen jede Seitenlänge mind. 1/3 der Gesamtlänge des Tieres und bei Schildkröten die 2-fache Panzerlänge betragen.

• Die Behältnisse müssen eine ausreichende Strukturierung und, wo die Bedürfnisse der Tiere es erfordern, Rückzugsmöglichkeiten (Steine/Wurzeln) aufweisen.

• ausreichender Sichtschutz, so dass ein Betrachten der Tiere nur von einer Seite oder von oben möglich ist.

• Thermometer und Hygrometer in den Becken

• Bei Bedarf Verwendung einer Heizung (oder Wärmelampe)

3. Durch geeignete technische Maßnahmen muss sichergestellt werden, dass die Werte in den Terrarien den natürlichen Ansprüchen der darin ausgestellten Tiere entsprechen. Hierzu sind ggf. geeignete Hilfsmittel zu verwenden.

4. Bei Tieren aus Feuchtgebieten muss ein feuchtigkeitsspeicherndes Substrat oder eine andere geeignete Möglichkeit zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit eingesetzt werden. Während der Dauer der Messe sind solche Tiere regelmäßig mit Wassernebel zu besprühen.

5. Rein aquatile Arten müssen im Wasser geboten werden. Dafür ist entweder ein Landteil notwendig, oder das Wasser muss so seicht sein, dass die Tiere nicht permanent schwimmen müssen. Verschmutztes Wasser ist regelmäßig zu wechseln.

6. Es dürfen nur gesunde, nicht trächtige und in einwandfreiem Zustand befindliche Tiere angeboten werden. Zu Beginn und regelmäßig während des Verlaufes eines jeden Veranstaltungstages sind die Tiere auf ihren Gesundheitszustand zu kontrollieren.

7. Tiere der Arten „Chelydra serpentina“ (Schnappschildkröte) und „Macroclemys temmincki“ (Geierschildkröte) dürfen nicht zur Schau gestellt, nicht angeboten, nicht in Verkehr gebracht und nicht vermarktet werden.

8. Das Herausnehmen von Tieren aus den Behältern ist ausschließlich im Beisein und nach Zustimmung des Besitzers gestattet, wenn dafür ein triftiger Grund vorliegt.

9. Das Beklopfen und Schütteln mit Tieren besetzter Behälter ist tierschutzwidrig und somit nicht gestattet.

10. Für jedes angebotene Tier sind folgende Angaben an gut sichtbarer Stelle anzubringen:

• deutscher Name

• wissenschaftlicher Name

• Herkunft: Nachzucht, Wildfang

• Geschlecht: z.B. 0.1 / 1.0 / 0.0.1

• Schutzstatus: z.B. WA I, WA II, BAArtSchV, o.ä.

• Größe der ausgewachsenen Tiere

• Haltungsansprüche einschließlich Angaben zu Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsoptima

11. Geschlechtsbestimmungen mit Hilfsmitteln, die Verletzungen verursachen können, sind auf der Veranstaltung verboten.